160 Jahre Kolpingfamilie Brandenburg an der Havel

In der Mitte des 19. Jh. entstand durch die zunehmende Wanderbewegung der Handwerksgesellen die      Notwendigkeit der geistlichen und körperlichen Sorge für die aus ihrem gewohnten Lebensumfeld herausgerissenen jungen Männer. So gründete der Priester Adolph Kolping aus den bereits vielerorts bestehenden Zusammenschlüssen von Handwerksburschen den „Kölner Gesellen- verein“, der sich  mit weiteren Gesellenvereinen im Ruhrgebiet zum „Rheinischen Gesellenverein “ vereinigte.

Dieser nannte sich ab 1851, Katholischer Gesellenverein, um über die rheinischen Grenzen hinaus offen zu sein.

Schnell verbreitete sich der Gedanke Adolph Kolpings in ganz Deutschland und so war es nicht erstaunlich, dass bereits wenige Jahre später auch hier in der Stadt Brandenburg der Wunsch nach Gründung eines Gesellenvereins entstand.

Am 31. Oktober 1858, wurde unter dem Präsidium des damaligen Pfarrers Rieger der Katholische Gesellenverein in Brandenburg gegründet. Mit 24 Mitgliedern war er zwar kein sehr großer, aber unter den auch damals schon herrschenden Diasporabedingungen kein zu übersehender Verein.

Am 15.11. 1858 schrieb der Präses Pfarrer Rieger einen Brief an Adolph Kolping, indem er ihm die Gründung des Brandenburger Vereins mitteilte und um Aufnahme in den Katholischen -Gesellenverein bat.

In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich ein sicher nicht spektakuläres Vereinsleben, was zu keinen Vermerken in den Pfarrannalen Anlass gab.

So hätte der Kolpingverein zukünftig ein segensreiches Werk vollbringen können, wenn nicht am politischen Horizont die dunklen Wolken des Nationalsozialismus mit seinem Alleinvertretungsanspruch in allen ideologischen und auch sozialen Dingen heraufgezogen wären.

Alle Gruppierungen außerhalb der staatlich vorgegebenen Doktrin wurden nach 1933 verboten. Die Gestapo löste 1938 die Kolpingfamilie auf.

Die Bibliothek wurde beschlagnahmt, die Vereinsfahne konnte zunächst versteckt werden, wurde aber später durch Denunziation dann doch ausgeliefert.

Viele Gemeindemitglieder, Frauen und Männer, fühlten sich der Idee Adolph Kolpings so verbunden, dass es trotz großer wirtschaftlicher Not schon 1948 möglich war,  als Ersatz für das zerstörte Kolpingheim, einen Gemeindesaal sowohl für die wieder aufblühende Kolpingarbeit als auch für das Gemeindeleben zu errichten.

So entwickelte sich nach dem Krieg und den Restriktionen der NS-Zeit wieder ein reges Vereinsleben, nicht mehr nur unter den Handwerkern, sondern zunehmend unter allen Berufsgruppen und die Kolpingfamilie engagierte sich an vielen Stellen in der Gemeinde, viele Mitglieder der Kolpingfamilie nutzten ihre beruflichen Möglichkeiten zu Hilfen innerhalb der Pfarrei.

Mit dem altersbedingten Ausscheiden des langjährigen Seniors Paul Dolata 1965 und infolge der immer stärker werdenden staatlichen Beeinflussung und Reglementierung kirchlichen Vereinslebens in der DDR entschied sich der damalige Präses Pfarrer Semrau, sicher auch zum Schutz der Vereinsmitglieder, die Gemeindearbeit weniger auf Vereinsarbeit als auf gesamtgemeindliche Schwerpunkte zu setzen.

Der nach dem in den Ruhestand getretenen Pfarrer Semrau im Jahre 1985 nachfolgende Pfarrer Richard Rupprecht sah sich nach dem Kennenlernen der Pfarrei veranlasst, in der Gemeinde die Kolpingarbeit zu beleben. Er begleitete die Kolpingfamilie wohlwollend als Präses und gab vielfältige Hilfen und Anregungen.

Ab 2010 stand uns Pfarrer  Matthias Brühe, unser derzeitiger Diözesanpräses und ab 2014, unser jetziger Pfarrer Matthias Patzelt jeweils als Präses der Kolpingfamilie vor.

Mit der politischen Wende konnten auch wir nunmehr formell dem weltweit agierenden Internationalen Kolpingwerk beitreten und uns somit an der Realisierung seiner Ziele in der Gesellschaft beteiligen.

Die Kolpingfamilie in der Pfarrei HI. Dreifaltigkeit in Brandenburg ist altersmäßig, sagen wir mal, vorangeschritten und würde deshalb über Zuwachs aus der Gemeinde nicht böse sein. Sie beteiligt sich aber aktiv an Ereignissen innerhalb der Gemeinde, trifft sich mindestens einmal im Monat, gestaltet diverse Anlässe im Kirchenjahr, wie Kreuzwegandachten, Maiandachten und Rosenkranzandachten, macht Ausflüge und Urlaubsreisen, besucht andere Kolpingfamilien, lädt diese zu Besuchen in unsere Stadt ein und organisiert Veranstaltungen, die auch den anderen Gemeindemitgliedern angeboten werden.

Am 4. Dezember 2018 feierten wir in einem großen Festgottesdienst mit anschließendem gemütlichen Beisammensein mit Freunden und Gästen unser Jubiläum.

Treu Kolping !

Dieter Rumler