Sankt Nikolai und das “Heilige Feld”

     
 

Sankt Nikolai und das “Heilige Feld”

Wenn wir in diese Kirche zum Gottesdienst gehen, freuen wir uns je nach Jahreszeit über das Grün im Park oder ärgern uns über fehlenden Winterdienst. Selten denken wir daran, dass wir über historischen Boden gehen.

Viele Jahrhunderte lang befand sich hier der mittelalterliche Nikolaifriedhof (später auch alter Altstadt Friedhof genannt). Archäologen fanden über 500 Jahre alte Skelette, auch von Kindern, die teilweise in mehreren Schichten übereinander lagen. Diese Tatsache lässt auf eine sehr lange Nutzung schließen. Der Nikolaifriedhof soll bereits dem Dorf Luckenberg als Begräbnisstätte gedient haben. Er wurde mehrmals erweitert, obwohl die Bewohner der Altstadt auch auf dem Gotthardtfriedhof beigesetzt wurden. Im 18. Jh. füllten sich die Seitenschiffe der Kirche mit Gruften für Brandenburger Patrizierfamilien. Weitere Erbbegräbnisse gab es vorwiegend an der Nordseite der Kirche.

1882 beschloss der Magistrat die Schließung des Friedhofs. 2 Jahre später wurde nahe der Magdeburger Straße der neue Altstadt Friedhof eröffnet. Im gleichen Jahr fanden dort erste Beisetzungen statt.

Die Auflösung des Nikolaifriedhofs zog sich jedoch über 50 Jahre hin. Dann hieß es in einem eindringlichen Schreiben des Landespolizeipräsidenten, dass die Schließung “aus hygienischen und gesundheitspolitischen Gründen” umgehend zu erfolgen habe. Das dauerte (kriegsbedingt?) weitere 10 Jahre. Im Bestattungsbuch des Nikolaifriedhofs ist die letzte Beisetzung für März 1945 eingetragen. Aus nachträglich eingelegten Zetteln geht aber hervor, dass - wohl durch Nachkriegswirren bedingt - noch vereinzelt bis 1949 Bestattungen erfolgten.

Vor Eröffnung des Puschkinparks 1951 wurden noch vorhandene Grabstellen eingeebnet und die Gräber nach und nach zum neuen Altstadt Friedhof umgebettet. Im Dezember 1961 erfolgte der letzte Aufruf, noch bestehende Ansprüche zu melden. Bis in die siebziger Jahre hinein waren aber noch vereinzelt Reste von Grabstellen vorhanden. Einige Jahre nach Sanierung der Nikolaikirche 1992/93 wurde der Puschkinpark umgestaltet. Am 6.12.2005 erfolgte die Eröffnung in seiner jetzigen Form.

Die alten Bezeichnungen “Gottesacker” und “Heiliges Feld” für Friedhof zeugen vom tiefen Glauben unserer Vorfahren. Nachdenklich wollen wir uns daran erinnern.

Erika Reinicke

 
     
aktualisiert am 03.03.11